Des Königs neuer Kleingarten - Marivent Gärten

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Des Königs neuer Kleingarten

Wer glaubt, in den öffentlich zugänglichen Marivent-Gärten von Palma stundenlang lustwandeln zu können, wird enttäuscht.

Der Spaziergang fällt überraschend kurz aus.

Marivent-Gärten – allein der Begriff lässt von Königs grünem Daumen träumen. Und von vielem mehr. Es kommen Bilder in den Sinn, von duftenden Blumenrabatten, inmitten derer Felipe seiner Letizia einst vielleicht den Antrag machte, und schattigen Steineichen, unter denen die Töchter einen lustigen Reigen zur Schalmei tanzen. Nun heißt „königlich“ auf Spanisch nicht ohne Grund „real“. Mit Träumen haben die Marivent-Gärten nämlich wenig zu tun. Die „Real-ität“ lässt so manchem Kleingärtner wohl nur ein mitleidsvolles „Oha“ über die Lippen kommen.

Miro-Hopping

Damit wir uns richtig verstehen: Hübsch sind sie, gepflegt sind sie, bunt sind sie, diese Marivent-Gärten. Und wer sich zudem auf das Miró-Hopping von Skulptur zu Skulptur des großen Künstlers einlässt, geht sicher mit einem guten Gefühl durch diese Oase der Stille. Die Wege sind mit hellem Kies ausgelegt, und von Zeit zu Zeit stößt man auf kleine Täfelchen im Beet mit den so fremd anmutenden, lateinischen Namen der übersetzt hinlänglich doch sehr bekannten Gewächsarten. In der netten, gepflegten Anlage ist nichts fremd, nichts außergewöhnlich, es scheint alles so verdammt vertraut und – das Königshaus möge mir diesen Ausdruck verzeihen – gewöhnlich.

Genau diese Tatsache macht den vielgelobten, öffentlich zugänglichen Gartenbereich rund um den Marivent-Palast zu einem eher enttäuschenden Stückchen royale Welt. Die Eindrücke sind austauschbar. Dieser Garten könnte auch in einem Stadtteil von Palma liegen, oder in Gelsenkirchen. Da ist nichts Großes oder Großartiges, es ist eine kleine, feine Gartenanlage, die nicht einmal Papierkörbe besitzt. Wobei man die sicher ganz bewusst eingespart hat, denn bevor man das Bonbon ausgewickelt hat, ist man bereits wieder am Ausgang.

Lustbrunnen der Sommerfrische

König Felipe ist halt ein alter Fuchs. Das Rathaus von Palma hätte wissen müssen, dass der Regent nicht einfach so seine Gärten für Otto Normalverbraucher freigibt. Vor allem nicht die schönsten Ecken der weitläufigen Anlagen rund um den Palast. Jene grüne Lunge hinter hohen Mauern, abgesichert von Kameras und geschützt durch Sicherheitsbeamte, die der Königsfamilie als Lustbrunnen der alljährlichen Sommerfrische dient. Das, was man zu sehen bekommt, ist nicht mehr als ein überschauberes, gepflegtes Fleckchen Natur in der rechten Ecke neben dem Eingangstor. Irgendwie scheint es so, als habe man beschlossen, den Komposthaufen zu entfernen, dafür ein Stück Garten anzulegen und dieses Kleinod Regierung und Öffentlichkeit als Kompromiss für ihre Forderung nach Transparenz als „Garten von Marivent“ anzubieten. Man muss die Marivent-Gärten einfach einmal gesehen haben. Wobei die Betonung auf „einmal“ liegt.  

Marc Fischer

Marc Fischer

Redakteur

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