Mallorcas Golfbranche - das Immergrün der Insel Featured

Rate this item
(0 votes)
Insel Santa Ponsa2 Insel Santa Ponsa2

Wo Mallorca das ganze Jahr über grünt

Die Golfbranche auf der Insel tickt anders als in anderen Regionen Europas.

Die Gründe dafür sind vielfältig.

Der Golfsport auf Mallorca genießt einen zwiespältigen Ruf. Auf der einen Seite stehen die Kritiken von Umweltschützern und Linken. Für die zählen Golfplätze auf der Insel als reine Ressourcenverschwender und elitärer Freizeitspaß. Auf der anderen Seite steht das Lob von Reiseveranstaltern und Hoteliers: Kaum irgendwo sonst in Europa sei das Golf-Angebot so vielfältig und – gemessen am Zustand der Plätze – so hochwertig wie auf Mallorca.

Für die Betreiber der insgesamt 23 Golfanlagen auf der Insel ist Golf dagegen nur eines – ein knallhartes Business. Denn im Gegensatz zu anderen Regionen in Europa verstehen sich die Golfplatzbetreiber auf Mallorca nicht als Sportverein oder Club, sondern – mit Ausnahme von Golf Son Servera – allesamt als privatwirtschaftliche Unternehmen.

700.000 Spielrunden pro Jahr

Doch wie rentabel ist das Geschäft um Greens und Fairways auf der Insel? „Das ist von Golfplatz zu Golfplatz unterschiedlich“, sagt Luis Nigorra, Präsident des mallorquinischen Golfplatzbetreiberverbandes ACGM und Geschäftsführer von Santa Ponsa Golf. „Aufgrund der Insellage kostet der Bau einer 18-Lochanlage fast doppelt so viel wie beispielsweise auf dem Festland. Gleiches gilt für die Pflege und Instandhaltung. Sand für die Bunker muss auf dem Seeweg nach Mallorca gebracht. Die Investitionskosten sind hoch“, so Nigorra.

Die Einnahmen dagegen aufgrund des hohen Anteils an Tagesgästen nicht immer planbar. Dennoch: Seinen Schätzungen zufolge werden auf allen Insel-Plätzen pro Jahr rund 500.000 Runden gespielt. Bei einem durchschnittlichen Greenfeepreis von 65 Euro wären das in etwa 32,5 Millionen Euro Umsatz. Dazu kämen, so Nigorra, noch einmal 200.000 weitere Runden  von Club-Mitgliedern, den sogenannten „Abonados“, die – je nach Club – für eine Jahres-Flatrate zwischen 1.600 und 2.500 Euro so oft spielen können wie sie wollen.

Doch es sind weniger die hohen Investitions- und Wartungskosten für Greens und Fairways, die Luis Nigorra als Golf-Unternehmer auf den Balearen Sorge bereiten. „Großbritannien ist der größte Quellmarkt für den Golftourismus in ganz Europa. Doch dank des schlechten Pfund-Kurses und der noch ungewissen Wirtschaftslage nach dem Brexit machen immer weniger Engländer Golfurlaub im Ausland. Das macht sich auch bei uns bemerkbar“, so Nigorra.

Um weiterhin ausländische Golftouristen auf die Insel zu bekommen, helfe nur eine verstärkte Werbe-Kampagne im Ausland.

Skandale um Sahara-Sand und Brunnenwasser

Auf Schützenhilfe von Seiten der Landesregierung braucht der ACGM dabei nicht zu hoffen. Nach den jüngsten Skandalen um die  vermeintliche Lieferung von Sahara-Sand für die Sand-Bunker im Golfclub Poniente oder der Affäre um das Brunnenwasser, mit dem der Golfplatz von Andratx angeblich seit Jahren zum Teil bewässert werden soll, ist der Golftourismus für den Govern Balear zum absoluten Tabu-Thema geworden.

Luis Nigorra kann die permanente Kritik von Politikern und Umweltschützern an seiner Branche nicht verstehen. „Im Gegensatz zu allen  anderen Tourismusangeboten auf Mallorca haben wir das ganze Jahr über offen. Ohne uns ist eine Saisonentzerrung kaum möglich“, so Nigorra. Auch in Sachen Umweltschutz sei die Kritik an Golfplätzen vollkommen ungerecht. „Die meisten Anlagen gleichen Naturreservaten. Kaum irgendwo sonst siedeln sich so viele Vögel an wie auf unseren Plätzen“.

Dennoch: Golf sei auf Mallorca weiterhin mit einem elitären und negativen Image behaftet. Dazu komme ein sich radikal änderndes Freizeitverhalten. „Heutzutage wollen die Leute in ihrer Freizeit möglichst viele Dinge. Golf ist vielen dabei zu zeitaufwändig“, sagt Nigorra. Aus diesem Grund aber die Golfregeln ändern oder in Zukunft gar 6-Loch-Runden auf den Plätzen anzubieten, um die Spielzeit damit zu verkürzen, hält Nigorra allerdings für Nonsens. „Das ist wirklich Blödsinn. Wem das Golfspiel zu langsam geht, sollte einfach mal versuchen, schneller zu spielen. Wer ständig nach verloren gegangenen Bällen sucht aber auch andere Vorgaben für ein zügiges Spiel missachtet, muss sich nicht darüber wundern, warum eine Runde so lange dauert.“                  

 

Andreas John

Login to post comments