Photovoltaik und Mallorca - einfach ist anders ...

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Die grosse Sonnenwende auf der insel

Nach dem Boom vergangener Jahre ist es um Photovoltaik-Anlagen für Privathaushalte auf Mallorca recht still geworden. Doch wie es ist um die Zukunft der Solarenergie auf der Insel bestellt?

Mit Solarenergie Kosten sparen und dabei zugleich die Umwelt scho­nen – mit rund 300 Sonnentagen im Jahr sollte Mallorca für diese Form der erneuerbaren Energie prädestiniert sein. Doch wie ist es mit der Nutzung von Solarenergie auf der Insel wirklich bestellt? Hat diese Art der Energieerzeugung auf Mallorca überhaupt eine Zukunft? „Eindeutig ja“, sagt Branchenexperte Norbert Schiebelhut von Donor Consulting. Allerdings mit gewissen Einschränkungen.

Die Zahlen sind ernüchternd: Nur  zwei Prozent des Netto-Stromverbrauchs auf Mallorca werden aktuell durch die Kraft der Sonne gedeckt. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil bei rund 7,5 Prozent. Dabei galt die Sonneninsel vor zehn Jahren noch als El Dorado für Solarenergie aus. Was ist passiert? Ein Blick zurück Sie kamen aus aller Welt: Investoren sahen große Gewinnchancen in Photovoltaik-Technik auf Mallorca. Kein Wunder, erließ die spanische  Regierung im Jahr 2007 doch ein Gesetz, das hohe Einspeisevergütungen für einen Zeitraum von 25 Jahren vorsah. Rund 45 Cent pro Kilowattstunde sollten Neuanlagen erhalten, die durch Photovoltaik gewonnene Energie in das öffentliche Netz zurückführen. Diese großzügige Förderung jedoch sprengte alle Planungen. Wurde innerhalb des Zeitraums mit einer Leistungsstärke von 400 Megawatt gerechnet (also 4 Millionen Kilowatt), wurde in Spanien knapp das 10-fache installiert! Die spanische Regierung sah sich gezwungen, die Reißleine zu ziehen.

Das „Ende“ der Solar-Energie Der Niedergang der Solarenergie    begann am 29. September 2008: Die Einspeiseprämien wurden von diesem Tag an drastisch reduziert, zudem mussten alle Anlagen in ein Register eingetragen werden. Doch so manche Registrierung war eine „Totgeburt“ – wurde das Projekt doch aufgrund der verringerten Gewinnmarge gar nicht realisiert. Dennoch blockierte die Eintragung das Nachrücken anderer, da die zu erwartende Kilowatt-Zahl reglementiert wurde. Doch es kam noch schlimmer. Ab 2012 wurden gar keine Einspeise­prämien mehr gezahlt. Der Grund waren neben überdimensionierte Anlagen auch die anhaltende Wirtschaftskrise. Folge: Viele auf die Installation von Photovoltaik-Anlagen spezialisierten Firmen zogen sich aus dem Marktsegment zurück, Jobs gingen verloren –auch auf Mallorca. Situation heute „Mit dem Real Decreto 900/2015 wurde endlich die rechtliche Figur des Photovoltaik-Selbstversorgers (autoconsumidor) anerkannt“, lobt Schiebelhut. „Und es gibt in Ansätzen wieder Planungssicherheit“. Das im Jahr 2015 erlassene Gesetz regelt die Nutzung von Solarenergie für den Eigenverbrauch. So müssen für Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 Kilowatt keine Steuern gezahlt werden. Auch der Einsatz von Batterien zur Speicherung von gewonnener Energie ist wieder erlaubt – war dies noch zu Zeiten der großzügigen Einspeisevergütung verboten aus Angst vor einem höherpreisigen Verkauf gespeicherter Energie.

Allerdings: Das Gesetz hat auch vorläufige Bestimmungen zum Inhalt, was die Rechtssicherheit ins Wanken geraten lässt. So gilt für die Balearen derzeit beispielsweise die Befreiung von der sogenannten „Sonnensteuer“ – wohingegen auf dem spanischen Festland eine Gebühr für die Nutzung der Netze erhoben wird – selbst dann, wenn die gewonnene Energie gar nicht eingespeist wird. Steuern, Subventionen, Vergütungen Wird Strom durch Solarenergie nur für den Eigenbedarf genutzt, fallen keine Steuern an. Aber auch mit Subventionen darf in diesem Fall nicht gerechnet werden. Im vergangenen Jahr wurden Leistungen ausgesprochen für Privathaushalte, kleine Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Rathäuser. Diese hatten jedoch jeweils nur einen Einschreibezeitraum von einem Mo­nat und sind mittlerweile alle hinfällig. Doch sind Subventionen überhaupt notwendig? Laut Aussage des Experten Schiebelhut nicht. „Subventionen bedeuten eine Anschubsfinanzierung, wenn etwas von alleine nicht funktioniert. Verbesserte Technik, höhere Effizienz und damit geringere Anschaffungskosten nehmen die Notwenigkeit staatlicher Unterstützung.“ Und auch Einspeisevergütungen gibt es für Privathaushalte nicht. Bei Anlagen mit weniger als 10 Kilowattstunden ist die Rückführung von gewonnener Energie in das öffentliche Netz sogar verboten. Lohnt sich eine Solaranlage? Maximal zehn Prozent der rund 1.000 installierten Photovoltaik-Anlagen auf Mallorca dienen dem Eigenbedarf. „Hier ist auf jeden Fall noch Potenzial“, ist sich Schiebelhut sicher. Grund: Bei einer Anlage von einer Leistung bis 10 Kilowatt in Verbindung mit einem intelligenten Speichersystem seien in Abhängigkeit des Konsumverhaltens, der Größe der Finca und der Batteriekapazität Eigenverbrauchsquoten von bis zu 80 Prozent möglich.

Das heißt im Klartext: Eine vernünftig konzipierte und ausgerichtete Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 10 Kilowatt ge­neriert pro Jahr ca. 17.000 kW/h und verhindert einen CO2-Ausstoss von mehr als 10 Tonnen. Nicht nur angesichts der aktuellen Strompreise eine nennenswerte Alternative.

Sandra Stehmann

Last modified on Montag, 14 August 2017 15:42
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