Experten Tipp: Bauen auf Mallorca - Die Vergabe Featured

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Bauen auf Mallorca: Die Vergabe

Bevor mit dem eigentlichen Bauen eines Objektes überhaupt begonnen werden kann, ist es ein langer und manchmal beschwerlicher Weg. Um das Projekt strukturiert anzugehen, unterteilt man dieses insgesamt in 5 Projektstufen: von der Projektvorbereitung (Grundlagenermittlung), über die Planung des Objektes durch geeignete Architekten und Fachplaner (Entwurf- und Ausführungsplanung), die Ausführungsvorbereitung (Ausschreibung, Wahl der Unternehmer), bis hin zur Ausführung selbst und dem Projektabschluss (Übergabe). In dem heutigen Bericht möchte ich auf die Wahl des oder der ausführenden Unternehmen eingehen, wie man dabei vorgehen kann und was man dabei beachten sollte.

Das Leistungsverzeichnis

Ein Leistungsverzeichnis (kurz LV) sollte immer die Grundlage für die Anfrage von Kostenvoranschlägen sein. Grundsätzlich sollte das LV sehr detailliert erstellt werden und neben den Quantitäten (Massen) auch die Qualitäten (Materialien) beschreiben, sodass während der Baumaßnahme möglichst keine Kostensteigerungen und Diskussionen bzgl. Preise und der Ausführung zu erwarten sind. Allerdings bedarf es gerade bei den Qualitäten einer professionellen Vorarbeit, möglichst inklusive einer gut organisierten Materialbemusterung durch den Bauherrn selbst, und das möglichst VOR Beginn der Arbeiten. Um eine gute Vergleichbarkeit der angebotenen Arbeiten zu erreichen, sollten drei oder mehr Kostenvoranschläge eingeholt werden. Die Bewertung der Kostenvoranschläge erfolgt anhand einer Gegenüberstellung und sollte durch einen Profi durchgeführt werden, wobei möglichst Punkt für Punkt geprüft werden sollte. Immer wieder wird der gleiche Kardinalsfehler gemacht, indem nur die Gesamtsumme in der Bewertung herangezogen wird, ohne die einzelnen Einheitspreise miteinander zu vergleichen. Denn hier liegt der Teufel im Detail, da auch niedrige Preise ein Anzeichen für Kalkulation- und/oder Interpretationsfehler der Leistungsbeschreibung sein können. Der Vergabeempfehlung sollte auch immer ein persönliches Gespräch mit dem Anbieter vorausgehen, um Missverständnisse in der Auslegung von Arbeiten und Materialien bereits im Vorfeld aufzuspüren, und nicht erst während der Baumaßnahme selbst.

Die Vergabe

Je nach Komplexität der Baumaßnahmen sollte man sich überlegen, ob die Arbeiten an einen Generalunternehmer vergeben werden sollten, oder ob möglicherweise eine Einzelvergabe Sinn macht. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, wobei diese klar auf der Hand liegen. Beim Generalunternehmer hat man in der Regel nur einen Ansprechpartner, wobei die größte Herausforderung bei der Einzelvergabe in der Koordination der einzelnen Firmen liegt. Gleiches gilt in juristischer Sicht auch für mögliche Gewährleistungsansprüche. Der Vorteil einer Einzelvergabe liegt in der zu erwartenden Qualität. Der Generalunternehmer selbst vergibt einzelne Arbeiten einzelner Gewerke in der Regel an Subunternehmer. Je günstiger diese Leistungen durch ihn selbst „eingekauft“ werden, desto höher ist nachher der Unternehmergewinn. Leider geht diese Vorgehensweise oftmals zu  Lasten der Qualität.

Bevor letztendlich der Bauvertrag abgeschlossen wird, sollte man sich Referenzen zeigen lassen, mit ehemaligen Kunden sprechen, und auch sollte man die Verfügbarkeit der Firma genau abklären. Aufgrund der momentan guten Auftragslage auf Mallorca ist es oftmals nicht einfach gute Firmen zu finden, da gerade die guten Firmen teils auf Monate hinaus ausgebucht sind. Ich kann jedem angehenden Häuslebauer nur raten den Unternehmer nicht alleine anhand des Angebotspreises oder aus Sympathiegründen zu wählen, sondern es sollten alle zugrundeliegende Fakten mit einbezogen werden.

Oliver Girharz

Der Autor ist Geschäftsführer

des Ingenieur- und

Projektmanagementb¸ros

Matrol Servicios y Peritajes SL

Tel. 971 10 40 25 - www.matrol.es

Last modified on Dienstag, 13 Juni 2017 10:39
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