Wenn der König vor Mallorca segeln geht

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Die "Copa del Rey Mapfre" zählt zu den bedeutendsten Sommer-Regatten im Mittelmeer Die "Copa del Rey Mapfre" zählt zu den bedeutendsten Sommer-Regatten im Mittelmeer

Vom 29. Juli bis 5. August gibt sich die internationale Segel-Elite bei der „Copa del Rey Mapfre“ in der Bucht vor Palma erneut die Ehre. Die bereits seit 36 Jahren stattfindende Regatta findet an Land jedoch kaum Beachtung.

Sportlich gesehen ist die Copa del Rey ein echter Selbstläufer. Seit über drei Jahrzehnten wird die berühmteste Segelregatta im Mittelmeer jeden Sommer in der Bucht von Palma ausgetragen, über einen Mangel an Teilnehmer musste sie sich bisher noch nie beklagen. Im Gegenteil. „Wir haben bereits im zweiten Jahr einen Numerus Clausus für die Mehrzahl der Bootsklassen eingeführt“, sagt Javier Sanz, seit etlichen Jahren Präsident des Königlichen Yachtclubs von Palma (RCNP) und Hauptverantwortlicher für den reibungslosen Ablauf der Regatta auf dem Wasser und an Land. „Mehr als 160 Segelboote können einfach nicht starten, doch die Anmeldeliste wird jedes Jahr länger“. Für die kommende 36. Ausgabe der Copa del Rey vom 29. Juli bis 5. August sind bereits knapp 140 Schiffe aus 15 Ländern gemeldet. 

Die Erfolgsgeschichte der Copa del Rey begann Anfang der 1980er Jahre in Barcelona. Damals kam der katalanische Parfümhersteller und leidenschaftliche Regatta-Segler Enrique Puig auf die Idee, der in Europa kaum bekannten  Regatta „Copa del Mediterráneo“ mit Hilfe eines Husarenstücks seiner Marketing-Abteilung einen neuen Auftrieb zu verschaffen. So schlug er keinem Geringeren als dem ehemaligen spanischen Monarchen Juan Carlos I. vor, der im Sommer zusammen mit seiner Familie regelmäßig vor Mallorca segelte, Namensvetter der Regatta zu werden, um damit die Créme de la Creme des internationalen Segelsports anzulocken. Und der Plan ging auf. König Juan Carlos ging auf das Angebot ein, Veranstalter wurde der Real Club Náutico in Palma - und bereits 1982 gingen mehr als 60 Segelyachten aus einem Dutzend Länder vor Mallorca an den Start.

Den internationalen Durchbruch schaffte die „Copa del Rey“ jedoch erst zwei Jahre später, als König Juan Carlos auf der „Bribón“ seines mittlerweile verstorbenen Freundes José Cusí selbst das Ruder in die Hand nahm - und die Regatta zur Freude der im Schlepptau angereisten Boulevardpresse auch noch gewann. Das internationale Echo auf den spanischen Segel-Königscup war enorm und führte in den kommenden Jahren zur einer steigenden Zahl an prominenten Zaungästen, die sich während der Regatta-Woche in Palmas königlichem Yachtclub blicken ließen und das Medieninteresse weiter erhöhten. Allein im vergangenen Jahr waren rund 100 Pressevertreter im Yachtclub akkreditiert.

Enrique Puig, der die Regatta unter dem Namen seines Parfümlabels „Agua Brava“ über 20 Jahre lang sponserte, starb vor neun Jahren. Als Hauptsponsoren der „Copa del Rey“ rückte unter anderen der spanische Versicherungskonzern Mapfre nach, der das Event dieses Jahr erneut mit einem sechstelligen Euro-Betrag finanzt. 

Doch so richtig zufrieden ist Javier Sanz trotz des internationalen Ansehens und der wirtschaftlichen Rückendeckung nicht. „Die Regatta sollte eigentlich auch ein gesellschaftlicher Erfolg sein. Doch das ist sie bei weitem nicht.“ Außer ein paar, die Woche über stattfindenden Partys für die Segler, mehreren Benefiz-Essen sowie einem Golfturnier für Sponsoren ist auf der „Copa del Rey“ nicht allzu viel los. „An den Einheimischen und Urlaubern geht die Regatta fast vollständig vorbei“, seufzt Sanz. „Von einem Volksfest-Charakter wie bei anderen internationalen Sportevents können wir nur träumen“, sagt er. Sein persönliches Vorbild ist die „Kieler Woche“. „Dort feiert die ganze Stadt eine Woche lang, gibt es Konzerte, Veranstaltungen und Ausstellungen“, schwärmt Sanz. „Warum nicht bei uns?“. Seiner Meinung nach fehlt es vor allem an Initiativen von Seiten der Stadt Palma sowie den Hoteliers- und Unternehmerverbänden auf der Insel. 

Weitere Infos unter www.regatacopadelrey.com

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