Ciutadella auf Menorca - ein Tagestripp

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Klein sind die Augen der meisten Passagiere, die sich an diesem frühen Montag Morgen am Hafen von Alcúdia versammeln. Wie wir warten sie auf die Fähre nach Menorca, die „kleine Schwester“ Mallorcas. Viele Mallorquiner sind an Bord und freuen sich auf einen Kurzurlaub auf der Nachbarinsel. Doch auch Tagesausflügler sind mit dabei. So wie Miguel und seine Frau María: „Wir können  uns nur einen Tag Auszeit gönnen und möchten da mal etwas anderes sehen“. Zu entdecken gibt es manches auf der knapp 700 Quaddratkilometer großen Insel. Wer jedoch die Fähre abends zurücknimmt, beschränkt sich in der Regel auf einen Besuch von Ciudatella, der einstigen Hauptstadt der Insel, bevor im Jahr 1722 Maó zur selbigen erklärt wurde.

Mietwagen kann aber muss nicht sein

Die Überfahrt verläuft bei ruhigem Wellengang und nach nur 90 Minuten erreichen wir schon den Hafen. Bereits von der Meeresseite aus erkennt man: Gebirgszüge à la Tramuntana sucht man auf Menorca vergebens. Nach kurzem Fußweg - die Autos werden separat rausgeleitet - erreichen wir den Vorplatz des Hafengebäudes. Von hier aus hat man - wenn man sich nicht spontan noch einen Mietwagen buchen möchte - die Möglichkeit mit dem Bus nach Ciutadella zu fahren, nur 1,50 Euro kostet die Fahrt. Nach rund 10 Minuten erreichen wir die „Endstation“ - die Plaça des Pines. Vergleichbar mit der Plaça Espanya in Palma (wenn auch wesentlich kleiner), fahren von hier ab die verschiedenen Busse in die anderen Inselregionen.

Montags wie freitags ist Markttag auf dem nahegelegenen Plaça des Born. Hauptsächlich Kunst und Textilien werden angeboten, gerne darf auch gefeilscht werden. Neben dem Rathaus findet sich hier auch die Touristeninformation als zentrale Anlaufstation. Die Mitte des Platzes wird dominiert von einem weißen Obelisken. Errichtet 1857, erinnert er an einen Piratenüberfall im 16. Jahrhundert, bei welchem die Stadt schwere Zerstörungen erlitt.

 

Bunter Trubel - aber kein Getümmel

Erkundet man Ciutadella, führt einen der Weg durch schmale Gassen. Fast meint man erinnert zu werden an den Namensursprung Menorcas („kleine Schwester“), erscheint doch manches die abgespeckte Version der Inselhauptstadt Mallorcas. Mit allerdings einem gravierenden Unterschied: Trotz Tages- und Urlaubsgästen, ist die größte Gemeinde der Insel bei weitem nicht so überlaufen wie Palma.


Die Highlights

Bevor man sich in das kulturelle Treiben stürzt, kann man sich in einem der vielen kleinen Cafés und Restaurants etwas stärken. Anschließend steht als erstes die Besichtigung der Kathedrale an. Santa Maria de Ciutadella ist das bedeutendste gotische Bauwerk auf der Baleareninsel.


Die Kathedrale

Nach der Eroberung Menorcas durch die Krone Aragons im 13 Jahrhundert gab König Alfons III den Auftrag zum Bau des Gotteshauses. Im 14. Jahrhundert wurde sie unter der Schirmherrschaft der Heiligen Maria errichtet; auf den Ruinen der Hauptmoschee der muslimischen Medina.

Während des türkischen Angriffs im Jahr 1558, in dem weite Teile der Stadt zerstört wurden, fiel auch die Kathedrale zum Opfer der Piraten. Rund 200 Jahre später erstand der Neubau unter Beauftragung von Papst Pius VI. Doch auch dieser war nur von geschichtlich kurzer Dauer. Der Bürgerkrieg forderte Tribut, die Kathedrale wurde am 27. Juli 1936 verbrannt. Nach Kriegsende war es Bischof Bartolomé Pascual, welcher die Neukonstruktion anregte. Zum Osterfest 1941 wurde sie feierlich wiedereröffnet.
Beeindruckend vorallem ist das Farbenspiel in der Apsis sowie durch die gegenüberliegende Rosette. Die Rekonstruktion der Apsis wurde im Jahr 2005 abgeschlossen, mit der Wiederherstellung von fünf ehemals „blinden“ Fenstern.
Infos: www.bisbatdemenorca.com

Wieder zurück auf den verwinkelten kleinen Straßen, befindet sich unser nächstes Ziel im Süden der Altstadt. Das ehemalige Augustinerkloster mit seinem verwunschenen Innenhof lädt zum Verweilen ein.

Kloster San Agustín (El Soccors)

Das Kloster und die beherbergte Kirche teilt seine Geschichte mit der Kathedrale. Errichtet und durch Piraten zerstört, ist das Kloster heute Zeitzeuge aus dem 17 Jahrhundert. Die Kirche hingegen wurde auch Opfer des spanischen Bürgerkrieges; praktisch kein Zeugnis blieb übrig. Seit 1990 ist sie das Objekt einer langen und kostspieligen Renovierung.  
Infos: www.bisbatdemenorca.com


Anschließend führt uns der Weg zum Fisch- und Fleischmarkt an der Plaça de la Llibertat. An kleinen Ständen werden einheimische Produkte angeboten, allen voran der Mahón-Menorca; ein traditioneller Hartkäse aus Kuhmilch. Denn anderes als auf Mallorca zeigt sich die Vegetation auf Menorca im üppigen Grün, was eine Tierhaltung in größerem Ausmaß möglich macht.


Molí des Comte

Die Plaça d’Alfonso III (aufgrund der Palmenbepflanzung auch Plaça de ses Palmeres bekannt) bildet den touristischen Abschluss im Osten der Stadt. Hier sind noch die Überreste der historischen Windmühle Molí des Comte zu sehen. Allerdings hat sie mittlerweile ihre Flügel eingebüßt und beherbergt heute ein Café-Restaurant.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt einem ein kleines Kunstwerk zu Füßen. Von der einen Seite zeigt es das Portrait eines Mannes, von der anderen ist eindeutig das Antlitz einer señora zu sehen.

Zum Abschluss steigen wir einige Treppenstufen hinunter zum Puerto natural, dem Naturhafen von Ciuatadella. Hier genießt man mit Blick auf die kleinen Fischerboote und größere Segelyachten das bunte Treiben. Einige Male im Jahr lässt sich hier eine besondere Naturgewalt beobachten; einen Meteotsumani. Der Meeresspiegel sinkt und kehrt mit Kraft und über das Normalmaß hinaus zurück. Zum Teil werden dabei Strände abgedeckt und die Boote im Hafen erleiden Schäden.

Doch nun heißt es dann wieder zurück zum neuen Hafenterminal. Bei der Ausfahrt können wir noch einen Blick auf das Castell de Sant Nicolau erhaschen. Errichtet im späten 17. Jahrhundert, diente es zur Abwehr von Piratenangriffen. Der achteckige Turm basiert auf einem pyramidenförmigen. Ein zwei Meter tiefer Graben umgibt die Anlage auf allen Seiten. Neben dem Turm findet sich ein kleiner, in den Fels gegrabener Bunker der modernen Küstenverteidigung.

Pünktlich um 20.30 Uhr erreichen wir wieder Alcúdia. Die letzten Sonnenstrahlen geleiten uns in die Hafeneinfahrt und wir verlassen die Fähre - müde aber begeistert...

 

Tipps
Anreise
Fährticket kann man bequem online bestellen unter www.balearia .com
Wer als Resident das vergünstige Ticket in Anspruch nehmen möchte, benötigt dafür das Certificado de Viaje (Ausgestellt im Ajuntamente; 1 Euro pro Ausstellung mit Gültigkeit von sechs Monaten) und muss dieses im Fährbüro vorzeigen. Ein öffentlicher Parkplatz ist am Fährhafen in Alcúdia nicht vorhanden, daher sucht man sich einen Stellplatz in den anliegenden Seitenstraßen.

Wer mit dem Pkw die Überfahrt antritt, muss mindestens 90 Minuten vor Abfahrt vor Ort sein. Als „Fußgänger“ sind 60 Minuten ausreichend.

Vor Ort
Vom Fährhafen Citadella aus verkehrt eine Busline regelmäßig in die Stadt. Von hier aus hat man auch Anschluss an die weiteren Regionalbusse.
Infos unter www.bustorresmenorca.com

Wer es ganz bequem möchte, kann sich (auch direkt vor Ort) einen Mietwagen buchen. Wer im Voraus planen möchte, kann dies auch online tun unter www.autosvivo.com

In der Stadt
Sollte der erste Weg in das Tourismusbüro führen, welches im Rathaus zu finden ist. Hier erhalten Sie wichtige Informationen und Karten zu Ciutadella und ganz Menorca.

 

 Ciutadella - buntes Markttreiben rund ums RathausCiutadellas Cafes und Restaurants

 

 

 

Last modified on Dienstag, 29 August 2017 15:12
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