Gärten von Alfabia - Des Mauren schönster Schrebergarten
 
Dienstag, 01 September 2020
Zwischen Bätterrascheln und Wasserplätschern: Die Gärten von Alfábia bieten einen faszinierenden Mix aus Licht, Schatten und mediterranerm Gartenkult.

Unkraut zupfen, Hecke schneiden, Radieschen ziehen – und zum Sonnenuntergang dann eine Flasche Bier im durchgeschwitzten Unterhemd vor der alten Laube. Keine Frage: Hobby-Gärten haben ihren ganz besonderen Charme. Und eine dementsprechend große Fangemeinde, nicht zuletzt in Deutschland. Dort werden Rosenschere und Gartenzwerg so inbrünstig verehrt wie kaum irgendwo sonst auf der Welt. Allerdings: Erfunden haben die Germanen das Rumtoben zwischen Beeten und Blattläusen nicht. Waren es stattdessen vielleicht die Schoko­laden­männer aus dem Morgenland?

Maurisches Anwesen aus dem 13. Jahrhundert
Eine Antwort darauf könnten Schrebergarten-Ursprungsforscher möglicherweise in den „Gärten von Alfabia“ („Jardins d´Alfàbia) finden. Keine 200 Meter vor den Röhren des Sóller-Tunnels entfernt, zu Füßen der Tramuntana, liegt Mallorcas berühmteste Sightseeing-Oase in Form eines einst maurischen Anwesens aus dem 13. Jahrhundert. Prunkstück der Mohren-Villa ist sein nicht gerade bescheiden angelegter Garten, ein permanent grün-raschelndes und wasserplätscherndes Refugium aus schmalen Wegen und Pfaden, vorbei an haushohen Palmen, exotischen Sträuchern, umwucherten Tümpeln oder akkurat angelegten Blumenbeeten. Bewässert wird die gesamte Botanik noch zum Teil mithilfe urmaurischer Bewässerungskanälchen entlang der Wege. Es ging damals also auch ohne Gartenschlauch.

Dank ihrer fast durchgängig schattenspendenden Flora sind die Gärten von Alfàbia selbst an heißen Sommertagen ein perfektes Ausflugsziel für Groß und Klein. Letztere kommen spätestens nach dem Freitreppen-Aufstieg, der links vor dem Eingangsportal hinauf zum Garten und dem antiken Wasserreservoir führt, auf ihre Kosten. Von hier führt ein Pergola-Weg zu einer kleinen Aussichtsplattform. Rechts und links davor stehen ein Dutzend kleiner Speibrunnen in Form steinerner Figürchen, die nur darauf warten, vorbeigehenden Besucher mit anzusprühen. Um den Wasserbeschuss in Gang zu setzen, muss man allerdings zuvor einen Schalter drücken. Aus Solidarität mit denjenigen Eltern, die ihre Kids in trockenen Tüchern bis zum Ausgang halten möchten, verraten wir allerdings nicht, wo genau sich dieser Schalter befindet.

Jede Menge Motive für Hobby-Fotografen
Nach den Wasserspielen führt der Weg weiter an Rosengärtchen und einen gleich mehrere Meter hohen Bougainvillea-Baum zum Hauptgarten auf der Rückseite des herrschaftlichen Hauses. Hier kann man es sich unter anderen vor der Bar und unter Dutzenden von schattigen Tamarindenbäumen gemütlich machen. Zum Angebot des kleinen Lokals gehört unter anderem frischgepresster, hauseigener Obst- und Orangensaft. Vor der Bar führen verschiedene verschlungene Pfade rund um den großen See mit seinen Wasserpflanzen, Schilfgräsern und anderen Schling- und Kletterpflanzen. Tarzan hätte hier sicherlich gut Urlaub machen können. Aber auch Hobby-Fotografen dürften hier aufgrund der Flut von möglichen Motiven ein echtes Paradies gefunden haben.


Ziegenzoo und Zimmer-Museum
Weiter unterhalb dieses Dschungelgarten aus tausend und einer Nacht kauen Ziegen und Zicklein hinter ihrem umzäunten Heim relaxt auf Strohhalmen herum - und lassen sich dabei auch gerne mal von Gartenbesuchern über die Stirn streicheln. Vom Ziegenzoo führt der Weg erneut hinauf bis zur Balkonterrasse des Herrschaftshauses, das im Laufe der Zeit von seinen Besitzern mehrmals um- und ausgebaut wurde. Ein Teil von ihm wurde für die Besucher zu einem Museum hergerichtet, die verschiedenen Ausstellungszimmer im arabischen, gotischen und Rokoko-Look zeigen Mobiliar und andere Haushaltsstücke sowie Gemälde und Wandschmuck aus früheren Jahrhunderten.

Die Besichtigungstour endet schließlich im großen Innenhof des Anwesens. Von dort kann man allerdings noch die alte Ölmühle, verschiedene Stallungen sowie die ehemalige Hauskapelle besichtigen.

Fazit: Die Gärten von Alfàbia zählen zweifellos zu den Top-Ausflugszielen auf Mallorca. Sowohl ihre oasische Lage als auch die außergewöhnliche Schönheit und Liebe, mit der sie vor mehr als 800 Jahren angelegt wurden, lassen wohl kaum einen Besucher unbeeindruckt. Der rund zweistündige Rundgang – inklusive einer Pause in der Gartenlauben-Bar – ist auch für Familien mit Kindern ein kurzweiliges und schattiges Vergnügen. Tja, man möchte nach dem Besuch fast behauten, dass es doch die Mauren waren, die einst den Grundstein für den späteren Schrebergarten-Hype im fernen Deutschland legten.

„Jardíns d`Alfàbia“
Straße von Palma nach Sóller, km 17 (kurz vor dem Tunnel)
Geöffnet täglich (auch an Feiertagen) Von 9.30 bis 14.30 Uhr
Zwischen 1. November und 28. Februar geschlossen.
Eintritt: 7,50 Euro
(5 Euro für Balearen-Residenten)
Kinder bis 10 Jahre frei
Mehr Infos unter www.jardinesdealfabia.com        

 

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