Palma´s Flaniermeile - Der weite Weg vom Flussbett zur Flaniermeile
 
Freitag, 02 Oktober 2020
Auf Palmas Paseo del Borne verlief einst ein gefürchteter Sturzbach. Erst Ende des 18. Jahrhunderts begann er sich, in den heute bekannten Prachtboulevard zu verwandeln. Eine kuriosenreiche Geschichte.

Paseo del Borne in Palma - Die Geschichte der Flaniermeile

Die Angst einer Überschwemmung ist in allen Hafenstädten dieser Welt allgegenwärtig. In Palma  und anderen Metropolen entlang der Mittelmeerküste geht diese Gefahr jedoch weniger vom Meer als vom Land aus. Sogenannte "Torrentes", Sturzbäche, die sich bei Starkregenfällen innerhalb von wenigen Stunden in gewaltige, alles mit sich reißende Ströme verwandeln, waren im Mittelmeerraum seit jeher die Hauptursache für teils verheerende Flutkatastrophen. Auf Mallorca verwüstete zuletzt im Oktober 2018 ein über die Ufer getretener Torrente die Ortschaft San Llorenc im Nordosten der Insel. 13 Menschen kamen dabei ums Leben, unzählige Häuser, Straßen und Brücken wurden zerstört.

Vom Torrente zur Rambla

Auch Palma wurde im Laufe der vergangenen Jahrhunderte immer wieder von solchen terrestrischen Flutkatastrophen heimgesucht. Dort, wo heute der Paseo del Borne liegt, verlief noch bis Anfang des 15. Jahrhunderts die Mündung des Torrente Sa Riera, der aus nördlicher Richtung kommend, vorbei am heutigen Friedhof von Palma über die "Rambla" und der Shoppingmeile Jaime III. bis hinunter zur Moll Vell, der alten Hafenmole, führte.
Am 14. Oktober 1403 kam es hier zu der vielleicht größten Naturkatastrophe in der Geschichte Mallorcas. Nach einem tagelangen Unwetter trat Sa Riera über die Ufer,  und zerstörte auf seinem tosenden Weg zum Meer das  halbe Stadtzentrum von Palma. 50.000 Menschen sollen damals, so steht es in den Chroniken geschrieben, ums Leben gekommen sein.

Palma´s  Flussbett auf dem Weg zur Einkaufsmeile Paseo del Borne

Zwischen dem heutigen C&A Kaufhaus und der Marina Sa Llonja blieb nach dieser Sintflut ein mehr als 20 Meter breites, anfangs schlammiges, später ausgetrocknetes  Flußbett zurück. Und das konvertierte sich bis ins 18. Jahrhundert zum Schauplatz mittelalterlicher Ritterspiele, Feste, Wettbewerbe und Veranstaltungen. Im Zuge des fortschreitenden Bevölkerungsanstieges, sowie dem Bau eines weiteren Befestigungsringes um den Stadtkern, ließen Palmas damalige Stadtväter den Flußlauf des Torrente Sa Riera 1613 in sichere Bahnen begradigen.
Statt über die (bis dahin und natürlich sehr viel später gebaute) "Rambla" und den "Paseo del Borne", spült Sa Riera heute noch die jährlich über die Hauptstadt niedergehen­de Regenflut auf einem künstlichen Flussbett unterhalb von Palmas zeitgenössischem Museum Es Baluard ins Meer.    
Der dabei damals trockengelegte, ehemalige Torrente- Verlauf auf der westlichen Seite von Palmas Kathedrale – ihr Hauptportal wurde 1601 eingeweiht – blieb als staubige Einöde zurück. Damit dennoch die dort mittlerweile angesiedelte, wohlhabende Bürgerschaft sauberen Fußes zwischen den beiden gegenüberliegenden Stadtvierteln spazieren konnte, wurden über dem späteren  Es Born drei Brücken gebaut.  Sie verbanden die heutigen Straßen Apuntadores mit der Calle Pareis, die Calle Feliu mit der Calle Constitució und die Carrer Can Cifré mit der Carrer Jovellanos.
1797 schlug schließlich die Geburtsstunde des heute bekannten Paseo del Borne, der nach Recherchen des Stadthistorikers Gabriel Bibiloni anfangs unter dem Namen Plaza Born, später als Plaza Constitució, Plaza de Fernando VII., Salón de la Princesa, Calle de la Princesa, Avenida de Generalísimo Franco und letzzendlich als Passeig de Born Einzug in die Straßenkarte von Palma fand. Der Name "Born", so behauptet Bibiloni, habe germanischen Ursprungs – und definiere den Austragungsort mittelalterlicher Ritterspiele. Also vielleicht gar nicht mal so aus der Luft gegriffen.
Im 19. Jahrhundert überschlugen sich dann die Ereignisse. Ein mallorquinischer Steinmetz-Künstler namens Jacint Mateu wurde 1883 von Palmas Stadtverwaltung mit der Erschaffung von jeweils zwei steinernen Sphinx- Statuen für die beiden Enden des Paseo del Borne beauftragt.
Mateu ließ seiner Fantasie dabei einen zu freien Lauf. Und das hatte Folgen. 1895 ordnete das Rathaus in Palma an, die vom Künstler üppig gemeißelten Brüste der Sphinx-Statuen auf eine kleinere Körbchengröße zu schleifen.
Es Born bewahrte dennoch seinen sinnlichen Charme. Unzählige Liebespärchen flanierten hier stundenlang rauf und runter oder küssten sich zum ersten Mal auf einer der Steinbänke entlang des Boulevards.
Bis 1950 ratterte Palmas Straßenbahn entlang des Paseo del Borne Richtung Hafen und dem ehemaligen Fischer­viertel Es Molinar.

Der Rest ist Geschichte, die hoffentlich nie ein Ende findet.

Kleinod S´Hort del Rei: Als die Kultur der Natur weichen musste

Palmas Paseo del Borne war insbesondere Anfang des vergangenen Jahrhunderts nicht nur gesellschaftlicher Catwalk der Palmesaner Bürgerschaft, sondern auch bedeutender Teil des urbanen Kulturangebotes. Wo heute die spanische Lowcost-Modekette "Zara" ihre Hauptniederlassung führt, wurden bis 1988 internationale Kinofilme im "Cine Born" gezeigt. Und: Das im späten 19. Jahrhundert, anfangs als Zirkuszelt, eröffnete Theater "Lírico" – ungefähr auf Höhe des heutigen "Café Capuccino" – mit mehr als 500 Sitzplätzen fiel 1963 einem radikalen Umbauplan zum Opfer. An seiner Stelle entstand die heutige Parkanlage "S´Hort del Rei".
Übrig geblieben von der Zeit, als die Palmesaner am Wochenende in eleganter Montour das Schauspielhaus am Born besuchten, ist lediglich das auf der gegenüberliegenden Seite ansässige  "Café Maura", das bis zur  Aufgabe seiner langjährigen Betreiber im vergangenen Jahr "Café Lírico" hieß.

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