Sa Dragonera-Wo die Echsen um die Wette laufen
 
Sonntag, 08 September 2019
Majestätisch liegt sie vor dem westlichsten Punkt Mallorcas: Sa Dragonera, die von Menschen unbewohnte Felseninsel. Ein Besuch ist nur per Boot möglich.

Spätestens seit der Romanverfilmung „Das Böse unter der Sonne“ von Agatha Christie umgibt Sa Dragonera etwas Geheimnisvolles. Nein, Mord und Totschlag gibt es zum Glück nicht. Nicht mehr. Sa Dragonera war einst allerdings beliebtes Ziel von Piraten und Schmugglern. Heute lauern an vielen Orten lediglich Drachen: Kleine und etwas größere Eidechsen, die entweder in der warmen Sonne dösen, oder unter schattigem Gestein verschwinden. Möglichkeiten haben sie viele, steht das Eiland doch seit 1995 unter Naturschutz.
Waren es nun die Echsen, oder aber die Silhouette in Drachenform, die der Insel im Westen Mallorcas ihren Namen gegeben haben - man weiß es bis heute nicht genau. Nur eines ist sicher: Sa Dragonera ist ein Paradies, mit unberührter Flora und Fauna, weitab von touristischem Trubel.


Überfahrt ins Naturparadies
Wer die Dracheninsel entdecken möchte, muss zuvor in See stechen. Die Überfahrt mit dem kleinen Boot der Reederei Cruceros Margarita von der Anlegestelle im Küstenort Sant Elm dauert knappe 15 Minuten.
An diesem Vormittag um kurz nach elf dümpelt die Barkasse bereits am Kai. Während Kapitän Pep ein paar Einträge im Bordbuch vornimmt, hilft sein Bootsmann den Gästen beim Einsteigen. Es schwankt gewaltig, und die Landratten bemühen sich, möglichst rasch einen Sitzplatz auf den mit wasserfesten Kissen ausgelegten Bänken zu bekommen. Ein blonder Junge steht Achtern, bereit, auf das Kommando des Kapitäns die Leinen loszumachen.


 
Ziemlich beste Freunde

Kurze Zeit später wird der Motor angeworfen. Wir legen ab in Richtung Cala Lladó, der Räuberbucht. Das Boot kämpft sich durch die sanfte Dünung des Canal des Freu. Er trennt mit seinen knapp 800 Metern Breite Sa Dragonera von der Küste Mallorcas. Kapitän Pep hat das Steuer inzwischen an seinen jungen „Kollegen“ übergeben. Nils heißt der kleine Seefahrer, der sich mir in perfektem Deutsch vorstellt. Er sei elf Jahre alt und komme aus der Nähe von Basel. Pep und Nils sind ziemlich beste Freunde, wie sich herausstellt.

 Mehr als Zeitvertreib
„Als ich Nils vor zehn Jahren kennenlernte, war der Koffer neben ihm größer als seine Babyschale“, lacht Pep. Nils‘ Eltern und Pep freundeten sich auf einer der Fahrten nach Sa Dragonera an. Seitdem kommt die Schweizer Familie in jedem Sommer für drei Wochen nach Sant Elm. Während Mutter und Vater den Strand genießen oder einen Tagesausflug machen, ist ihr Sohn als Fährmann unterwegs. Eine Ferienbeschäftigung, um die Nils viele Kids beneiden.
Für Nils ist die Fähre mehr, als ein Zeitvertreib. „Im nächsten Jahr kann ich mit dem Bootsführerschein beginnen“, erklärt Nils stolz. Ich wage zu fragen, ob er denn zunächst an den Segelschein denkt. Pep winkt ab, bevor Nils antworten kann. „Vergiss‘ es!“ ruft der Mallorquiner. „Die jungen Leute wollen Geschwindigkeit, Motoren, Motoren, Motoren...“, fügt er an. Nils grinst nur und hält das Steuerrad fest in der Hand.

Wir brauchen Schutzgebiete
In der Räuberbucht angekommen, beginnen die Fahrgäste mit ihrer Inseltour. Ein Besucherzentrum informiert über Geschichte und Ziele. Es gibt vier Wanderungen, die festes Schuhwerk und ausreichend Getränke voraussetzen. Der längste Weg führt zum alten Leuchtturm auf dem Berg Na Pòpia, der höchsten Erhebung auf Sa Dragonera, und dauert gute vier Stunden. Das sollte man in Sachen Rückfahrt bedenken.
Die geht für uns mit leerem Boot zurück nach Sant Elm. Die ersten treten schon ab 13 Uhr die Rückfahrt an. „Viele versprechen sich mehr“, sagt Pep. Aber Sa Dragonera sei nun mal ein Naturparadies ohne Schnickschnack. „Wir brauchen diese Regionen, vor allem auf Mallorca“, ergänzt der Kapitän.

Das Anlegemanöver übernimmt der Chef persönlich. Ein lautes Brummen des Motors, das Steuer hart backbord, dann Rückwärtsgang, das Steuer hart steuerbord, und Nils sichert die Fähre gekonnt mit dem Tau. Die nächsten Urlauber warten ungeduldig auf die Überfahrt nach Sa Dragonera. Auch diesmal bringt Nils sie auf die Felseninsel. Die nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger ist.

Marc Fischer

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