
IZ Kolumne Thomas Fitzner Dezember 2025
In meiner IZ-Kolumne IZ Kolumne Thomas Fitzner Dezember 2025 erzähle ich von den kuriosen Weihnachtsszenen Mallorcas, in denen widerspenstige Reyes

Als Insulaner mit Migrationshintergrund drängt es mich, auch mal selber auf der Exhibitionismuswelle zu reiten und einen sehr persönlichen, ja intimen vorausschauenden Jahresrückblick zu kredenzen. Zumal meine bisher angewandte Strategie, mit Rätselhaftigkeit und Öffentlichkeitsscheu das Interesse der Massen auf mich zu lenken, komplett in die Hose gegangen ist. Ich reiße also das Ruder herum und mir die Kleider vom Leib.
Schaut her – das wird mein 2026!
Januar: Mein zentraler guter Vorsatz fürs Neue Jahr kann direkt als unerfüllt abgehakt werden. Ich hatte mir vorgenommen, keine guten Vorsätze zu fassen, und erwische mich dann beim Gedanken, ein besserer Mallorquiner zu werden und meinen Wortschatz des Insel-Idioms, der im Wesentlichen aus Cagondenen, Uep und Fa fred besteht, zumindest zu verdoppeln. Idò!
Februar: Entgegen hartnäckiger Gerüchte gehe ich NICHT in den Ruhestand. Dafür fühle ich mich um etliche Wochen zu jung.
März: Das Jahr zieht sich wieder…
April: Einmal mehr treten meine Hühner in einen Eierstreik und weigern sich trotz hochwertigen Bio-Granulats für „ponedoras“ (Legehennen), ihr Mindestsoll zu erfüllen. Ich erinnere das Geflügel daran, dass mehr als drei Hühner meldepflichtig sind, und denke laut über die ernährungswissenschaftlich belegten Vorzüge von Hühnerbrühe nach. Da lachen die Hühner.
Mai: Mein alter, kastrierter, zahnloser Kater Garfield legt mir wieder eine tote Ratte vor die Gartentür. Während er früher seinem Namen Ehre machte und jegliches Auftauchen von Nagetieren als unsittliche Aufforderung zu Arbeit betrachtete, läuft er im Rentenalter zu Hochform auf. Vielleicht sollte ich doch in Rente gehen..
Juni: Endlich wird es wieder warm! Mein Gott, ist das heiß, wann wird es endlich wieder kühl?!
Juli: Panikattacke, weil ein Influencer- Video mir klarmacht, dass KI auch meinen Arbeitsplatz bedroht. Ich frage ChatGPT, welche Jobs für Menschen langfristig übrigbleiben. Antwort: Hausbesetzer.
August: Auf Mallorca wird noch immer das Burka-Verbot diskutiert. Für einen Selbstversuch besorge ich mir eine solche Ganzkörper-Verhüllung und spaziere damit durch die Innenstadt von Palma. Ein bärtiger Mann hält mich an und fragt, was das soll. Ich erwidere, dass ich als muslimische Frau gelesen werden möchte. Er zeigt mich an wegen Rassismus.
September: Ich komme mit einer Nachbarin ins Gespräch, die sich über die Wasserverschwendung beim Autowaschen ereifert, während sie den ph-Wert ihres privaten Pools misst.
Oktober: Erstmals wird es wieder kühl, zwar nur kurz, aber gerade genug, um mich zu verkühlen.
November: Ich erhalte Besuch von einem Tiroler, der mich fragt, wie das eigentlich so sei, in einer Urlaubsregion zu leben.
Dezember: Nach einem Jahr Yoga stelle ich nur geringe Fortschritte fest. Beim bewussten Atmen muss ich an Darth Vader denken, bei der Entspannungsübung daran, was ich heute kochen könnte, und beim Om-Singen fällt mir die Weinmarke OM aus Algaida ein. Steht für Oliver Moragues.
Ein bisschen Schleichwerbung muss sein. Für 2027 nehme ich mir eine neue Karriere vor: Weinfluencer.
Thomas Fitzner ist Journalist
und Romanautor (u.a. „Deine fremde Tochter“).
www.thomasfitzner.com

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