Lokales Marc Fischer 10/07/2025

Palmas Playa – Von der Strandidylle zum Touristenmagnet

Palmas Playa: Von der Strandidylle zum Touristenmagnet

Wer die weitläufige Playa de Palma auf die schillernde Partyszene reduziert, hat die Gegend zwischen s'Arenal und Can Pastilla noch nicht kennengelernt. Vor allem ist die Playa ein Ort mit Geschichte.

Wer heute barfuß über den feinsandigen Strand der Playa de Palma spaziert oder die Lokale und Geschäfte entlang der Promenade besucht, den Wind ein „Hola“ ins Ohr flüstern und den Blick über das glitzernde Mittelmeer schweifen lässt, spürt es sofort: Die Playa de Palma ist mehr als nur ein Strand. Sie ist ein Ort voller Leben, aber auch voller Gegensätze, ein Ort des Miteinanders und der Konfrontation, vielgepriesen und häufig kritisiert.

Adíos Idylle
In den 1950er-Jahren war die Playa de Palma ein weitgehend unerschlossenes Küstengebiet. Sand so weit das Auge reicht, Fischerboote dümpelten in der Bucht, das Leben spielte sich in den kleinen Dörfern ab. Touristen? Eine Randerscheinung. Nur wenige Abenteuerlustige – meist aus Deutschland, Frankreich oder Großbritannien – fanden den Weg hierher. Sie quartierten sich in einfachen Pensionen ein oder zelteten am Strand. Es war die Zeit, in der Mallorca noch eine Insel für Individualisten war. Flugverbindungen waren selten und teuer, die Anreise oft beschwerlich, aber genau das machte den Reiz aus.

Zentrum des Aufbruchs
Mit dem Beginn des Massentourismus in den 1960er- und 70er-Jahren änderte sich das Bild grundlegend. Spanien – damals noch unter der Franco-Diktatur – setzte gezielt auf Tourismus als Wirtschaftsmotor. Auf Mallorca wurde gebaut, investiert, erschlossen. Die Playa de Palma entwickelte sich zu einem der Zentren dieses Booms. Neue Hotels entstanden im Rekordtempo, die Infrastruktur wurde ausgebaut, Reiseveranstalter wie Neckermann oder TUI nahmen die Region in ihre Programme auf. Für viele Deutsche wurde Mallorca zum Inbegriff von Sonne, Strand und Urlaubsfreiheit – und die Playa zum ersten Kontaktpunkt mit der Insel.

Die Playa öffnet sich
Ein markanter Wendepunkt kam mit dem Tod von Diktator Franco im Jahr 1975. Spanien öffnete sich – politisch, kulturell und gesellschaftlich. Das neue demokratische Klima beflügelte auch die Tourismusentwicklung.

Mallorca wurde internationaler, offener, vielfältiger. Die Zahl der Flugverbindungen stieg rasant, der Flughafen von Palma wurde kontinuierlich ausgebaut. Aus dem einstigen Geheimtipp wurde ein europäisches Lieblingsziel.

Sinnbild für Urlaub
Die 1980er- und 90er-Jahre brachten den endgültigen Durchbruch der Playa de Palma als Hotspot für Partyurlauber. Begriffe wie „Ballermann“, „Schinkenstraße“ oder „Eimersaufen“ prägten das Bild – nicht nur in den Medien. Zahlreiche Bars, Kneipen und Diskotheken entstanden, besonders zwischen Balneario 5 und 7. Für viele war die Playa damals das Sinnbild eines ausgelassenen, ungezwungenen Urlaubs – für andere ein Ort, den man eher mied.

Wandel zur Jahrtausendwende
Doch genau diese Phase war es, die den Anstoß zum Wandel gab. Ab den 2000er-Jahren begann ein Umdenken. Die Politik setzte auf Qualität statt Quantität, die Gemeinden investierten in die Modernisierung der Playa. Alte Hotelanlagen wurden renoviert oder ersetzt, neue Konzepte wie Boutiquehotels, nachhaltige Gastronomie oder Aktivtourismus gewannen an Bedeutung. Die breite Promenade wurde verschönert, Palmen gepflanzt, Radwege angelegt – es entstand ein harmonischer Mix aus Urbanität und Strandkultur.

Die Nähe zu Palma, die gute Erreichbarkeit durch den Flughafen und das angenehm mediterrane Lebensgefühl machen die Playa heute zu einem echten Allrounder: Morgens Joggen am Strand, mittags ein frischer Fisch in einem der schicken Beach-Clubs, abends ein Cocktail mit Blick auf den Sonnenuntergang.

Und dazwischen? Begegnungen. Mit Menschen, mit Geschichten, mit einem Inselfeeling, das eine besondere Mischung aus Tradition und Fremde darstellt.

Neue Herausforderungen
Die Playa ist nicht mehr nur ein Reiseziel – sie ist ein Lebensgefühl geworden. Sie hat es geschafft, sich vom einstigen „Billigstrand“ zur attraktiven Destination mit Stil und Seele zu wandeln. Wer sie mit offenen Augen erlebt, entdeckt viel mehr als nur Liegestühle und Sonnenschirme, wird mehr finden als Ballermann-Töne und alkoholisiertes Proletariat.
Aber: Die Playa de Palma steht vor neuen Herausforderungen, an die damals, in den 1950er Jahren noch niemand gedacht hat. Unternehmer und Behörden suchen nach Antworten auf Probleme, die sie bislang und trotz aller Anstrengungen nicht imstande waren, zu lösen.

Ob als Urlauber, als Rückkehrer oder als Resident – manchmal reicht ein Spaziergang am Meer, um zu merken, dass die Geschichte dieses Ortes noch längst nicht zu Ende erzählt ist.