
Playa de Palma – Zwischen Strandkultur und Partymeile
Musikalische Stimmungsmacher gab es an der Playa de Palma schon immer. Doch: Darf Übermut auch Grenzen haben? Wer an die

Das Gasthaus „Zur Krone“ ist seit mittlerweile fast 40 Jahren an der Playa de Palma. Das Lokal ist eine feste Größe für Stammgäste, aber auch Sängerinnen und Sänger der Tanztempel, die hier gerne vorbeischauen. Sie kennen Betreiberin Beatrice Ciccardini, denn einst brachte sie Künstler auf die Insel. Ciccardini kennt die Playa de Palma nicht erst, seit sie 2008 das Lokal übernommen hat. Wir sprachen mit ihr über die Probleme vor Ort, aber auch die Zukunft der Playa zwischen Touristen, Tamtam und Tatort.
Wie lange bist Du schon an der Playa de Palma, und wie lange kennst Du den Ort mit all seinen Facetten?
Ich kenne die Playa seit Januar 1976. Als ich hierher kam, gab es nur Sand, Pinien und ein paar wenige Hotels. Angefangen habe ich als Reiseleiterin. In dieser Funktion habe ich natürlich aus erster Hand mitbekommen, wie sich die Gegend entwickelt hat: Der Strand wurde nach und nach ausgebaut, die Straße wurde geteert. Schon früh entdeckten Kegelclubs die Region für sich und ihren Urlaub, speziell im Frühling und Herbst.
In den 1980er Jahren startete „Müller“-Reisen in Düsseldorf mit entsprechenden Angeboten: Abends spät wegfliegen und mitten in der Nacht ankommen, zurück war es ähnlich. Klar haben die auch gefeiert, aber sie wussten, wann Schluss ist. Man hat zusammengehalten und einfach einen schönen Partyurlaub verbracht.
Im Sommer übrigens – und das ist der Unterschied zu heute – war es total ruhig an der Playa: Es kamen viele Familien mit Kindern. Es war so flau, dass die Diskotheken sogar schließen mussten.
Wann entwickelte sich die Playa de Palma zu dem Bild der Sangría- und Partygesellschaft?
Ohne Zweifel nach dem Film „Ballermann 6“. Als Satire gemeint, haben viele die Inhalte zur Realität gemacht. Einen neuen Schub gab es nach der Pandemie. Seitdem will jeder, der hierher kommt, die sprichwörtliche „Sau rauslassen“. Zumindest denken er oder sie, das machen zu können. Die Folgen sind steigende Kriminalität, denn Betrunkene sind ein leichtes Opfer für Überfälle. Es ist ein erschreckender Kreislauf. In diesem Jahr – und die Saison hat erst begonnen – ist es besonders schlimm. Früher wurde nur geraubt. Inzwischen gibt es dunkle Gestalten aus aller Herren Länder. Vor allem Algerier sind oft mit Messern unterwegs; die stechen erst zu und rauben dann. Sie sind einfach brutal, und sie machen keine Unterschiede bei ihren Opfern, was das Alter angeht.
Bietet jedes Jahr immer noch neue Überraschungen oder neue Herausforderungen?
Absolut, entweder mit neuen Gesetzen oder mit neuen Umbauvorschlägen und Vorgaben für die Unternehmer. Auffallend ist auch, dass es in diesem Jahr mehr Polizei gibt. Aus meiner Sicht eine positive Entwicklung.
Ebenfalls sinnvoll finde ich, dass Touristen für die Schwarzhändler sensibilisiert wurden: Nicht mehr die Anbieter, sondern diejenigen, die kaufen, werden in die Pflicht genommen. Das lässt viele zweimal überlegen, ob sie kaufen und den illegalen Handel unterstützen. Größe Herausforderung ist aus meiner Sicht der Umbau hin zu mehr Natur und Natürlichkeit.
Wie ist die aktuelle Situation für Gastronomen und Geschäftsbetreiber?
Da muss man unterscheiden: Den großen Betrieben geht es bestens. Sie machen das große Geld mit Getränken und dem sogenannten „Sauftourismus“. Die kleinen Betriebe müsse hingegen jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen. Es gibt immer wieder neue Gesetze, beispielsweise in Palma das Verbot, Tische herauszustellen. Das dämpft den Umsatz immens ein. Preisaufschläge kommen hinzu. Du musst Dich auf die Kunden einstellen, es wird schneller gemeckert als gelobt. Und das teils mit haarsträubenden Vorwürfen. Einer beschwerte sich darüber, dass wir nicht mit Betrunkenen umgehen können – ich bitte Dich: Sollen wir einen Kurs belegen?
Wo müsste man ansetzen, um Lösungen zu finden?
Das größte Problem ist nach wie vor der Sauftourismus und die daraus resultieren Folgen bei der Kriminalität. Es ist schwierig, genau dort anzusetzen. Du kannst niemandem verbieten, zu trinken. Die Lösung ist es, immer wieder an den Verstand und den Anstand des Einzelnen zu appellieren.
Gibt es auch positive Entwicklungen?
Die Qualitätsoffensive ist ein guter und richtiger Schritt. Hotels sind zu einem Update verpflichtet, und das merkt man. Es wirkt sich auch auf das Publikum aus. Die Playa de Palma ist wunderschön, wir brauchen mehr Urlauber, die genau das zu schätzen wissen – für sich selbst und alle Einheimischen, die hier leben und arbeiten.

Musikalische Stimmungsmacher gab es an der Playa de Palma schon immer. Doch: Darf Übermut auch Grenzen haben? Wer an die

Kaum ein anderer Ort auf Mallorca spaltet die touristischen Gemüter so sehr wie die Playa de Palma. Für die einen

Weniger Partytourismus, mehr mediterranes Flair: Die Initiative Palma Beach plant eine radikale Umgestaltung der Playa de Palma – teilweise zum