
Kurz vor Weihnachten ist vor dem Landgericht Palma de Mallorca der Prozess gegen zwei Spanier zu Ende gegangen, die beschuldigt wurden, den 20-jährigen deutschen Touristen Tim V. aus Nordhessen im Oktober 2022 getötet zu haben. Nach dem Schuldspruch durch die Geschworenen erkannten Berufsrichter nicht auf Mord, sondern auf Totschlag mit einem Strafmaß von 15 und 12,5 Jahren.
Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten vor, den stark alkoholisierten Tim V. an der Playa de Palma entführt, in ihren Lieferwagen gezerrt und anschließend auf der Flughafenautobahn Ma-19 aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen zu haben. Im Wagen könnte es laut Nebenklage zuvor zu einem Kampf gekommen sein.
Die Verteidigung hatte die Vorwürfe bestritten und argumentiert, Tim V. sei freiwillig aus dem Fahrzeug gesprungen. Sie behauptete, dass die Angeklagten den Urlauber angeblich in sein Hotel bringen wollten, nachdem sie ihn betrunken auf der Straße gefunden hatten. Die Anwältinnen der Verteidigung forderten erfolglos einen Freispruch für ihre Mandanten.
Die Staatsanwaltschaft hingegen sah in den Handlungen der angeklagten Spanier Jesús J.G. und José David R.S. einen klaren Tötungsvorsatz und forderte für jeden eine Haftstrafe von 25 Jahren.
Der Fall wirft Fragen zum genauen Ablauf der Ereignisse und den möglichen Motiven der Angeklagten auf. Unklar blieb, wie Tim V. in den Lieferwagen gelangte und ob ein Raubüberfall von langer Hand geplant war. Die Verteidigung betont, dass ihre Mandanten dem Opfer keine Verletzungen zugefügt hätten und kein Tötungsvorsatz vorlag. Einer der Männer kommt laut Medienberichten aus Sevilla und soll auf Mallorca Arbeit gesucht haben.
Zahlreiche Zeugen und Beweise wurden präsentiert, um Licht in die tragischen Ereignisse jener Nacht zu bringen. Die Polizei konnte durch umfangreiche Recherchen einen weißen Lieferwagen ermitteln. Ein Augenzeuge hatte den Sturz auf die Autobahn gesehen und angezeigt. Er brachte das Verfahren ins Rollen, nachdem man zunächst von einem Unfall ausgegangen war.
Im Zeitraum 2012 bis 2022 waren auf Mallorca im Übrigen mehrere alkoholisierte Urlauber unter teilweise ungeklärten Umständen am gleichen Autobahn-Abschnitt zwischen den Ausfahrten 10 und 11 ums Leben gekommen. Gerüchteweise war auch schon die Rede von einer Überfall-Serie. Jedoch fehlten nicht bei allen Opfern die Wertsachen. Medienberichte waren stets von Unfällen ausgegangen. Symbolfoto: Archiv