Rockerbanden und Drogenhandel – Der Machtkampf auf Mallorca

Rockerbanden und Drogenhandel: Der Machtkampf auf Mallorca

Rockerbanden, Drogenhandel und organisierte Kriminalität auf Mallorca: Ermittlungen gegen United Tribuns, Hells Angels und internationale Netzwerke zeigen das Ausmaß der Unterwelt.

Statt mit den Hells Angels hatte es Mallorca in den letzten Jahren verstärkt mit den United Tribuns zu tun – deren mutmaßlicher Anführer Stefan Milojevic sitzt inzwischen in U-Haft. Der Sohn des serbischen Ex-Trainers von Real Mallorca, Goran Milojevic, soll der Dreh- und Angelpunkt einer großen kriminellen Organisation gewesen sein. Inzwischen sind die Ermittlungen im Rahmen der 2025 über Monate andauernden Operation „Manso- Enrique Bal“ gegen die Bande vor­läufig abgeschlossen.
Nach zweijährigen verdeckten Ermittlungen hat die spanische Polizei einen großen Schlag gegen die organisierte Kriminalität auf Mallorca gelandet. Die als Aktion führte in mehreren Zwischenschritten zu 76 Festnahmen und der Beschlagnahme enormer Mengen an Drogen: 687 Kilogramm Kokain, 2.500 Kilo­gramm Haschisch, 3 Kilogramm Marihuana sowie kleinere Mengen Metamphetamin, LSD, Heroin und Speed. Zusätzlich wurden 1,5 Mil­lionen Euro Bargeld, 16 Schusswaffen und diverse Luxusgüter sichergestellt.

Stefan Milojevic
Der als Rädelsführer beschuldigte Stefan Milojevic (34) gilt als Hauptverantwortlicher für den Drogenhandel an der Playa de Palma und ist auf Mallorca bereits einschlägig vorbestraft. Schon Anfang der 2020er Jahre saßen er und weitere Mitglieder der United Tribuns auf Mallorca in Haft. Laut Polizeiberichten entschied Milojevic darüber, wer in der Urlauberhochburg Drogen verkaufen durfte und verlangte Geld für diese „Konzessionen“.
Besonders brisant: Unter den Festgenommenen befinden sich auch der Anwalt Gonzalo Márquez und ein hochrangiger Polizeibeamter, der mehr als sechs Jahre lang einer Anti-Drogen-Einheit vorstand. Er soll die Gruppe mit internen Informationen versorgt und vor Ermittlungen gewarnt haben. Auch ein Mitarbeiter der Hafenpolizei wurde festgenommen.
Das kriminelle Netzwerk operierte mit erstaunlicher Professionalität. Die Organisation schmuggelte Drogen über Ibiza nach Spanien, wobei Schnellboote aus Nordafrika eingesetzt wurden. Eine ihrer Methoden: Kokainballen wurden nachts von Frachtschiffen auf offener See über Bord geworfen, versehen mit GPS-Sendern und Schwimmkörpern. Schmuggler sammelten die Pakete ein und brachten sie in ihre Depots.
Die Bande versuchte zudem, ihre illegalen Gewinne durch Geldwäsche zu legalisieren. Sie gründete Scheinfirmen, teils mit einem Startkapital von nur 1.500 Euro, über die der Kauf von Hotels und Restaurants geplant war. Koordiniert wurde dies offenbar in einer Kanzlei am Paseo Mallorca.

Deutsche Kiffer
Der Drogenkonsum an der Playa de Palma ist laut Polizeierkenntnissen nach Nationalitäten aufgeteilt: Deutsche und italienische Touristen bevorzugen Cannabis und Kokain, während Niederländer und Belgier eher zu synthetischen Drogen greifen. Die kriminellen Organisationen versuchen, strategische Positionen in Nachtlokalen zu besetzen – als Promoter, Kellner oder vor allem als Sicherheitsmitarbeiter. Diese Positionen bieten die perfekte Tarnung für den Drogenhandel und ermöglichen es, Polizeikontrollen frühzeitig zu erkennen.
Die Gewalt zwischen rivalisierenden Banden hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu schweren Vorfällen geführt. So war es bereits 2010 zur berühmten „Mallorca-Schlägerei“ zwischen Mitgliedern der Hells Angels und des Gremium MC gekommen, bei der 19 Personen festgenommen wurden. Auch Zuhälterei, Brandanschläge und Prügelattacken, Erpressung und illegales Inkasso und andere Delikte wurden den Rocker-Aktivitäten zugeordnet.
Hanebuth & Co.
Die Hells Angels, die zwischen 2009 und 2013 besonders aktiv auf Mallorca waren, treten mitunter auch heute noch in Erscheinung. Bei einer Großrazzia unter dem Namen „Operation Casablanca“ wurden damals zahlreiche Mitglieder festgenommen, darunter auch der Deutsche Frank Hanebuth, der nach einem Mega-Prozess mit zehn Jahren Verzögerung letztendlich nicht verurteilt werden konnte, weil ihm die Führung des damals kriminellen Mallorca-Charters nicht nachzuweisen war. Hanebuth saß aber zwei Jahre lang in spanischer U-Haft. Einige seiner Konsorten bekamen längere Haftstrafen aufgebrummt. Schlagzeilen machten auf Mallorca unter anderem Paul Engelke alias „Thrombose-Paul“ sowie die Gebrüder Youssafi, die nach wie vor auf der Insel ansässig sein sollen.
Ende Januar 2025 tauchten an verschiedenen Orten auf der Insel urplötzlich wieder mehrere hundert Hells-Angels-Mitglieder zu einem internationalen Rockertreffen auf und legten sich dabei auch mit einheimischen Türstehern an. Man weiß Mallorca eben auch in solchen Kreisen sehr nachhaltig zu schätzen.

Mit der Zerschlagung der teilweise deutschsprachigen Organisation um Stefan Milojevic und die United Tribuns bleibt die Frage offen, wer künftig im Untergrund auf Mallorca die Führung übernehmen wird. Die Sicherheitskräfte haben einen wichtigen Erfolg gegen den Drogenhandel gelandet, doch der Kampf gegen die organisierte Kriminalität auf der Urlaubsinsel ist offenbar wie bei einer Hydra aus der griechischen Legende: Schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach.