Zwei Welten, ein Strand – Can Pastilla vs. El Arenal

Zwei Welten an einem Strand: Can Pastilla vs. El Arenal

Am westlichen Ende der Playa lockt das beschauliche Can Pastilla während sich am östlichen Ende das quirlige El Arenal befindet. Zwischen beiden Eckpunkten liegen große Gegensätze.

Die Playa de Palma mit ihren rund sechs Kilometern Sandstrand ist weit mehr als nur eine Badedestination. Sie ist eine Meile der Kontraste, an deren Enden zwei Orte liegen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das eher beschauliche Can Pastilla im Westen und das berühmt-berüchtigte El Arenal im Osten. Verbunden durch eine schier endlose Promenade, die zum Flanieren, Radfahren und Beobachten einlädt, verkörpern sie unterschiedliche Gesichter des Tourismus auf Mallorca.

Can Pastilla, das sich auf Höhe von Balneario 15 und 14 erstreckt, präsentiert sich als der ruhigere und gesetztere Pol der Playa de Palma. Ursprünglich ein Fischerdorf, begann seine Entwicklung zur Vorstadtsiedlung von Palma bereits in den 1920er Jahren.

Heute ist es ein etablierter Ferien­ort, der besonders bei Familien, aber auch bei einem gemischten internationalen Publikum aus Deutschen, Briten, Spaniern und anderen Europäern Anklang findet. Die Atmosphäre ist entspannter, die Hotels sind oft der Mittelklasse zuzuordnen, was die Unterkünfte zum Teil relativ erschwinglich macht.

Da hier auch viele Einheimische leben, wirkt der Ort auch in den Wintermonaten belebt und authentisch. Der Name „Can Pastilla“ soll in den 50er Jahren entstanden sein, als Spanien bitterarm war und viele Arzneimittel nur zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt erhältlich waren. Der Volksmund machte aus dem bei Medikamentenhändlern beliebten Gebiet dann scherzhaft das „Tablettenhaus“, also „Can Pastilla“.

Cala Gamba & Co.
Richtung Palma befinden sich angrenzend weitere Bereiche, die den Aufenthalt wert sind: Zunächst Cala Estància mit dem beliebten Club Puro Beach, dann das frühere Brachland von Es Carnatge auf Höhe des Flughafens, das mittlerweile mit einer Promenade ausgebaut wurde. Mallorca-Veteranen erinnern sich gerne daran, dass man hier um die Jahrtausendwende noch auf staubigen Feldwegen herrliche Fahrradtouren in die Inselhauptstadt unternehmen konnte und dabei oft fast alleine war.
Es folgen Cala Gamba, Es Coll d’en Rabassa, Ciutat Jardí und schließlich El Molinar, bevor man Palmas Paseo Marítimo, den Parc de Mar und die Kathedrale erreicht – alles gesäumt, von Cafés, Bars, Eisdielen, Restaurants und Clubs unterschiedlicher Kategorien. Zu nennen sind etwa „La Boutique del Gelato“ in Ciutat Jardí, das bei jungen Mallorquinern beliebte „Xorri’s“ oder die beliebte Bar „Yam“ in Portitxol. Playa-Gästen sei ein Ausflug in diese Richtung ans Herz gelegt – auf die Gefahr hin, dass es künftig noch voller wird und der Autor keinen Platz mehr findet.

Die Nähe zur Inselhauptstadt Palma und zum Flughafen ist in Can Pas­tilla ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist die Anbindung exzellent und Palma mit seinem kulturellen Angebot schnell erreichbar, andererseits ist Fluglärm ein ständiger Begleiter, was jedoch zu den etwas günstigeren Übernachtungspreisen beiträgt. Trotz seiner Beliebtheit hat Can Pastilla mitunter mit Verkehrsproblemen und mangelnden Parkmöglichkeiten zu kämpfen. Dennoch überwiegen insgesamt die Vorzüge: ein breiter Sandstrand mit flachem Wasserzugang, ideal für Kinder, eine Vielzahl an gemütlichen Lokalitäten sowie ein breites Angebot an Wassersportarten wie Jet-Ski, Windsurfen und Stand-Up-Paddle. Der Yachthafen und das nahegelegene Palma Aquarium sind weitere Anziehungspunkte

El Arenal
Am entgegengesetzten, östlichen Ende der Bucht liegt S’Arenal (Katalanisch), oder El Arenal, wie es auf Spanisch heißt. Dieser Ort, der bei Balneario 1 beginnt, ist ein Zentrum des Partytourismus, das vor allem junge deutsche Urlauber anzieht. 

Der Name „Arenal“ (Sandfeld) beschreibt treffend den kilometerlangen Strand, doch die eigentliche Anziehungskraft geht von den unzähligen Bars, Diskotheken und Clubs aus, die sich entlang der Promenade und in den angrenzenden Straßen aneinanderreihen. „Ballermann 6“, „Schinkenstraße“ und „Bierstraße“ gehören streng genommen nicht mehr zu El Arenal, sondern nur die Balnearios mit den ganz niedrigen Nummern.

Was viele Besucher nicht wissen: Mit El Arenal betreten sie auch eine andere Gemeinde. Während Can Pastilla ein Stadtteil von Palma ist, gehört der südliche und ältere Teil von S’Arenal zur Gemeinde Llucmajor. Die unsichtbare, aber entscheidende Gemarkungsgrenze bildet der Sturzbach Torrent dels Jueus, der zwischen Balneario 1 und 2 ins Meer mündet. 
Dieser Bach, der im Sommer oft ausgetrocknet ist, markiert nicht nur eine administrative Trennlinie, sondern auch eine städtebauliche: Die Gebäude im zu Llucmajor gehörenden Teil sind oft höher als die auf Palmesaner Gebiet. Die Teilung hat auch Auswirkungen auf Zuständigkeiten wie Polizei, Reinigung und lokale Verordnungen.

Dunkle Ecken
Während Can Pastilla eine entspanntere, familienfreundlichere Atmos­phäre bietet, ist El Arenal nicht nur partylastiger, sondern stellenweise auch etwas heruntergekommen, insbesondere in zweiter und dritter Linie. Eine kleine touristische Bimmelbahn, die zwischen den Orten verkehrt, verbindet diese gegensätzlichen Welten an ein und derselben Promenade.

Als Faustregel gilt: Je weiter man Richtung El Arenal kommt und sich dort von der ersten Meereslinie entfernt, desto mehr Kehrseiten mit sozialen Problemen. An der Tagesordnung sind Delikte vom Taschendiebstahl über den Marihuana-Handel oder zum nächtlichen Raubüberfall auf Betrunkene. Straßenprostituierte – die so genannten „Klauhuren“ – fallen immer wieder negativ auf, gerade auch im Bereich der Partymeilen.

Die Zunahme illegaler touristischer Apartments treibt die Mieten in die Höhe und verdrängt stellenweise die lokale Bevölkerung, was zu einer wachsenden Wohnungsnot führt. Viele Arbeitsplätze in der Tourismusbranche sind zudem saisonabhängig und prekär. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, haben die Behörden in den letzten Jahren die Maßnahmen verschärft. Dazu gehören strenge „Benimmregeln“ und Polizeipräsenz. Die Forderung nach einer Modernisierung von Billig-Hotels und einem Wandel hin zum „verantwortungsvollen Tourismus“ ist nach wie vor aktuell.

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