
Haben Sie schon einmal unter einem Baldachin aus zarten Blütenblättern in Weiß und Rosa gestanden und sich dabei wie in einem maurischen Märchen gefühlt? Die Mandelblüte auf Mallorca ist einfach magisch und macht die Landschaft zu einem Spektakel, das Naturliebhaber und Fotografen gleichermaßen anzieht.
Im Januar und Februar ist der Moment, wenn Millionen von Mandelbäumen ihre Knospen öffnen. Zunächst vereinzelt zeigen einige schon im Januar oder bereits im Dezember einen Teil ihrer Pracht. Es hängt ein wenig von der Zahl der kalten und milden Nächte ab. Aber auch im März und April gibt es vielerorts noch etwas zu sehen.
In der Regel beginnt die Mandelblüte auf Mallorca an der Ostküste bei Porto Cristo oder im Inselinneren bei Sineu und Maria de la Salut.
Anschließend blühen die Bäume auch bei Llucmajor, Andratx und Calvià sowie in der weiten Ebene zwischen Palma und Inca.
Wo lässt sich die Mandelblüte am besten erkunden – sei es mit dem Auto, E-Bike, Fahrrad oder auf Wanderschuhen? Zum Beispiel bei Galilea im Südwesten oder bei Valldemossa im Tramuntana-Gebirge, wo die Lage an Hängen und Terrassen den besonderen Reiz ausmacht. Auch rund um Llucmajor liegen ausgedehnte Plantagen, zum Teil mit Aprikosen, die auf Mandeln gepfropft werden und deren Blüten vergleichsweise groß und farbintensiv sind. Eine Fahrt von Llucmajor in Richtung S’Estanyol lohnt sich daher besonders. Der Weg zweigt von der Umgehungsstraße von Llucmajor ab (an der Tankstelle gut ausgeschildert).
Berg Randa
Eine gute Idee ist im Vorfrühling auch ein Abstecher zum Klosterberg Randa. Rund um den Berg leuchtet es dann in allen Farbschattierungen von Weiß bis Zartrosa. Aus diesem Blütenmeer erhebt sich der 550 Meter hohe Berg Randa. Zwischen Ses Salines und Santanyí ist das Land flach und eben, im Winterhalbjahr auch satt grün. Hier stechen die Mandelblüten zwischen den Trockenmauern besonders hervor. Interessant ist darüber hinaus die Strecke von Santanyí über Cas Concos nach Felanitx. Je nach Temperatur erreicht die Mandelblüte hier im Februar ihren Höhepunkt.
Wer dagegen von Inca zum Kloster Lluc fährt, sollte unbedingt zur Mandelblüte in Selva oder Caimari anhalten oder einen Abstecher nach Mancor de la Vall machen. Alternativ kann man in östlicher Richtung zum Weiler Binibona fahren.
Er ist von Mandelbäumen umgeben und bietet erfahrungsgemäß noch im März eine Fiesta für die Sinne. „Wegen der Nähe zum Tramuntana-Gebirge entwickelt sich die Vegetation dort etwas später“, sagen erfahrene Reiseleiter auf Mallorca. Weitere Möglichkeiten sind laut Experten im fortschreitenden Frühling eine Radtour rund um Alcúdia oder ein Küstenausflug von Colònia de Sant Pere nach Son Serra de Marina.
Den Ursprung des Mandelanbaus vermutet man in arabischer Zeit. Der Legende nach soll ein maurischer Herrscher die ersten Bäume für seine Lieblingsfrau gepflanzt haben. Die Prinzessin aus dem andalusischen Granada vermisste den Schnee ihrer Heimat aber so sehr, dass sie in tiefe Depressionen verfiel. Erst als auf Mallorca die weißen Blüten wie Schnee von den Bäumen rieselten, konnte sie wieder lächeln.
Es Raiguer
Zwischen Alaró und Lloseta, immer entlang der kleinen Landstraße, bietet sich spätestens im Februar ein Mandelblüten-Panorama, in dessen Zentrum das in deutscher Hand befindliche Weingut Castell Miquel liegt. Mit dem Auto lässt sich die Route bequem in Richtung Biniamar, Mancor de la Vall, Selva und Inca fortsetzen.
Eine naturnahe Variante für Wanderer führt von der Straße zwischen Alaró und Lloseta nach links ins Tal von Es Clot d’Almadrà. Der Weg verläuft entlang ausgetrockneter Bachbetten durch eine jahrhundertealte Kulturlandschaft in Richtung der Schutzhütte Tossals Verds. Hin- und Rückweg sind insgesamt etwa 14 Kilometer lang. Da man nicht bis zur Hütte aufsteigt, sondern immer im Tal bleibt, beträgt der Höhenunterschied lediglich 300 Meter. Allerdings ist es dort ziemlich schattig und die Bäume blühen etwas später.
Die Nebenstraße MA-2021 wird im Volksmund „Camí d’es Raiguer“ genannt und ist so etwas wie eine „Mandelblüten-Autobahn“. Sie führt von Santa Maria in Richtung Consell und mündet in die Hauptstraße von Alaró Richtung Ma-13. Auf der anderen Straßenseite setzt sich der Camí des Raiguer pittoresk in Richtung Binissalem fort (Beschilderung vorhanden).
Ausgangspunkt in Santa Maria ist der Camí de Coanegra (bei den Bodegas Macià Batle). Etwa einen Kilometer weiter in Richtung Alaró biegt man rechts ab Richtung Reads Hotel. Der Camí des Raiguer ist teilweise mit einem roten Punkt für Wanderer markiert. Die Orientierung zu Fuß oder per Fahrrad ist also viel einfacher als im Auto.
Zudem bietet auch die parallel verlaufende Bahnstrecke Santa Maria – Binissalem wunderschöne Ausblicke.
Mallorcas Mandelbäume sind aber nicht nur ein Augenschmaus, sondern sorgen mit ihren Früchten im Spätsommer für Gaumenkitzel unter Gourmets, wobei die Mandeln von der Insel als besonders aromatisch gelten und bei Zuckerbäckern weltweit mit als die besten geschätzt werden – kein Vergleich zur Monokultur-Konkurrenz aus Kalifornien! Süßspeisen wie „Gató“ sind hier als Klassiker der Inselküche zu nennen. Aber nicht nur zum Dessert eignen sich Mallorca-Mandeln, sondern gemahlen zum Beispiel auch als aromatische Kruste zum Gratinieren von Fisch und Fleisch.
Feuerbrand-Bakterie
Nach offiziellen Statistiken hat sich Mallorcas Mandel-Anbaufläche im letzten Jahrzehnt von 24.000 Hektar auf weniger als 17.000 Hektar reduziert. Bauernvertreter sprechen sogar von einem Rückgang um 50 Prozent. Die Mandelbäume sterben inzwischen regelrecht weg. Die Zahl beträgt mittlerweile weniger als vier Millionen, einst sollen es bis zu sieben Millionen gewesen sein. Schuld daran ist ein Pflanzenbakterium namens „Xylella”, das mit Vorliebe Mandelbäume befällt und durch Feuerbrand zum Absterben bringt. Neuanpflanzungen bringen nur bedingt Abhilfe und gelten als wenig rentabel. Man genieße die Mandelblüte, solange es sie noch gibt.